Baumanagement als Berufung

Projektteamleiter Thomas Rosmüller nimmt uns mit auf die Baustelle

Gassmann+Grossmann, Baumanagement, Lean Site Management

Es war während seines Architekturstudiums, da stellte Thomas Rosmüller fest, dass „Gestalten nicht so mein Ding ist“. Schon während des Studiums zog es ihn in die Organisation, in die Bauleitung, die Projektsteuerung und vor allem ins Baustellenmanagement. Seit 1986 macht er diesen Job, fast 34 Jahre lang – und liebt ihn wie am Anfang. „Eine Baustelle hat viele Geschichten und es sind eigentlich fast immer die gleichen. Aber langweilig wird es deswegen nicht“, sagt er. „Der Prozess ist immer gleich, die Details immer anders.“

Thomas Rosmüller sitzt im Baubüro in der Stuttgarter Kronenstraße. Handy und Brille hat er auf den Tisch vor sich abgelegt. Das Gebäude mit der einstigen Zentrale von Gassmann + Grossmann nutzen zu dürfen, ist ein doppelter Glücksfall. Die Baustelle an der Kriegsbergstraße nahe dem Hauptbahnhof, auf der ein Haus der Motel One Hotelkette mit rund 400 Zimmern entsteht, ist nur drei Gehminuten entfernt. Im Baubüro sitzen Rosmüller und sein Team komfortabler als in Containern und zudem Tür an Tür mit dem Generalunternehmer. „Wir sind froh um diese kurzen Wege“, sagt Rosmüller.

Von draußen scheint die Mittagssonne durchs Fenster. Dem Baustellenmanager stecken bereits sechs Arbeitsstunden in den Knochen. Wie jeden Tag hat er um halb acht die Vorarbeiter der Baustelle zum sogenannten Ständerling vor einer breiten Plantafel in einem Besprechungsraum des Baubüros versammelt. Darauf zu sehen: mehrere Spalten mit Kalenderwochen und Tagen – und in jeder Spalte bunte Kärtchen, für jedes ausführende Unternehmen eine andere Farbe. Die Karten symbolisieren Aufgaben, auf einigen prangt das Verkehrszeichen mit dem roten Dreieck und dem schwarzen Ausrufezeichen. Aussage: „Achtung, hier gibt es ein To-do für die Objektüberwachung!“

Lean macht‘s leichter

Lean Site Management (LSM) ist eigentlich kein fester Bestandteil des Auftrags, aber Rosmüller nutzt LSM-Elemente, um allen die Arbeit leichter zu machen. „Früher bin ich den ganzen Tag über die Baustelle gelaufen und habe stille Post gespielt. Beim Ständerling kommen wir zusammen, um kurz und knackig zu beraten, was ansteht. In 15 bis 30 Minuten ist alles geklärt“, berichtet er. Die Tafel schafft nicht nur die Grundlage für eine konstruktive Kommunikation und Diskussion sich zuweilen widersprechender Interessen. Sie bildet auch die Basis einer guten Dokumentation fürs Bautagebuch und ist ein probates Mittel, um Behinderungsanzeigen zu vermeiden.

Ganz verhindern lassen sich Hürden und Turbulenzen freilich nicht. „In meinen 34 Jahren ist schon einiges schiefgegangen. Du kannst nicht alle Eventualitäten vorhersehen“, sagt Rosmüller und lächelt. „Aber ich habe noch jede Baustelle zu Ende gebracht.“

Sein aktuelles Baby bezeichnet er als „solide und klein“. Trotzdem gab und gibt es Herausforderungen: die Baustellenlogistik inmitten der Stadt etwa – die Kriegsbergstraße ist eine wichtige Verkehrsachse, ein großes Krankenhaus, das Katharinenhospital, liegt direkt um die Ecke. Nach dem Abriss des bestehenden Bürogebäudes war es außerdem nicht möglich, die Baugrube zu böschen. Die Planer ließen die drei alten Kellergeschosse zur Wanne ausbauen, mussten dafür aber eine Grundwassersenkung vornehmen und ständig beobachten. Zwei Pumpen waren dauerhaft in Betrieb – und Thomas Rosmüller schaute auch mal am Wochenende nach, ob sie noch funktionierten.

Rundgang mit genauem Blick

Einmal täglich macht sich der Baustellenmanager ein Bild über die aktuelle Lage. Der typische Lärm stört ihn nicht. „Ich bin eher nervös, wenn es still ist.“ Dort, wo nach Fertigstellung die Einfahrt in die Tiefgarage sein wird und in diesem Moment ein Bagger zugange ist, bleibt er stehen – es ist eine sensible Stelle. Dann geht es weiter, am späteren Frühstücksbereich und dem begrünten Innenhof vorbei in den ersten Stock. Die Nasszellen stehen fix und fertig als Würfel geliefert, aber noch nicht abgenommen und daher verpackt da.  Als Rosmüller jüngst ein paar Tage in Berlin verbrachte, nächtigte er in einem Motel One und begutachtete die dortigen Bäder. Es wird schnell gehen, sie zu installieren, die Anschlüsse sind alle schon parat. Rosmüller geht weiter in Richtung Aufzugsschacht. Dunkel ist es hier, aber er will erklären, warum er darauf drängt, sich so früh wie möglich um die Auftragsvergabe an den Aufzugsbauer zu kümmern: damit man weiß, wo künftig die Ruftaster der Aufzugsanlage und die Stockwerksanzeige sein werden. „Solche Aspekte zeigen seine Erfahrung“, kommentiert sein Mitarbeiter Turan Cinkilic voller Anerkennung. „Aber er ist nun mal auch länger im Job als ich auf der Erde.“

Digitale Helfer sind immer dabei

Es gibt viel, was Rosmüller bedenken muss. „Die Außenanschlüsse für Strom, Abwasser oder Fernwärme werden wahnsinnig gern vergessen“, sagt er. „Dann stellt man acht Wochen vor der Eröffnung plötzlich fest, dass der Baustrom weg und der Saft noch in der Straße ist.“ Die digitale Welt erleichtert seine Arbeit. „Früher hast du aufwendig nach Plänen gesucht. Heute funktioniert das meiste papierlos mit dem Tablet.“ Seine Begehung führt am ersten eingebauten Fenster vorbei aufs Dach. Unterm blauen Himmel wuselt es, am Horizont steht der Mercedes-Stern am Bahnhofsturm. Rosmüller blickt zufrieden drein. Ende des ersten Quartals 2021 soll das Motel One eröffnen. „Wir sind ziemlich gut im Plan.“

 

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